Die Beinvenen sind für den Rückfluss des Blutes zurück zum Herzen zuständig. Die sich darin befindlichen Venenklappen funktionieren wie Rückschlagventile, die das Blut nur in eine Richtung fließen lassen und verhindern so das Versacken des Blutes in den Beinen. Bei Krampfadernleiden  sind die Venenklappen defekt.

Das Prinzip der Kompressionstherapie besteht darin, von außen kontrolliert Druck auf das Venensystem auszuüben. Dadurch wird der Durchmesser der Venen verkleinert. Das wirkt sich dann über mehrere Mechanismen positiv auf die Blutzirkulation aus. Die Strömungsgeschwindigkeit des Bluts in den Venen steigt. Das verbessert den Rückfluss zum Herzen und senkt den Blutdruck im Venensystem. Dass das Blut schneller fließt, beugt einer Venenthrombose vor und fördert, wenn sich solch ein Blutgerinnsel bereits gebildet hat, dessen Abbau.

Der verkleinerte Venendurchmesser lässt die Venenklappen wieder besser schließen.

Darüber hinaus bedingt die Kompressionstherapie, dass die Venen mehr Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe aufnehmen können. Wassereinlagerungen (Ödeme) und damit verbundene Schwellungen gehen dadurch zurück. Zudem wirken der verbesserte Abstrom des Bluts und der Druck von außen der Entstehung solcher Ödeme entgegen.

Kompressionsstrümpfe weisen eine konstante Druckabnahme von unten (Knöchel-/Fußbereich) nach oben (Oberschenkelbereich) auf, denn dieses Profil des degressiven Druckverlaufs entspricht den medizinischen Erfordernissen der Kompressionstherapie. Druckgradient beträgt im Fesselbereich 100 % und nimmt zum Oberschenkel hin stetig bis auf 40 % ab.

Beim aufrecht stehenden Menschen ist der Venendruck im Knöchel-/Fußbereich am größten. Das untere Drittel des Unterschenkels ist daher besonders durch krankhafte Störungen gefährdet. Daher muss der Druck des Kompressionsstrumpfes dort besonders hoch sein.

Die Andruckstärke im Fesselbereich ist ausschlaggebend für die Einteilung von medizinischen Kompressionsstrümpfen in die vier zur Verfügung stehenden Kompressionsklassen:

Klasse 1: bei leichter oder beginnender Krampfaderbildung, – vor allem bei Schwangeren –, schwere und müde Beine, keine Ödembildung

Klasse 2: bei ausgeprägten Krampfadern, Schwellungen, oberflächliche Venenentzündungen, Flüssigkeitsansammlungen, nach Operation wie Verödungsbehandlungen

 

Klasse 3: nach Thrombose und Abheilen von Unterschenkelgeschwüren, bei Krampfaderleiden mit Hautveränderungen

Klasse 4: bei schwerersten Krankheitsbilder, deutliche Ödeme

 

Kompressionsstrümpfe verbessern die Symptomatik und verhindern die Progression von Krampfadernleiden  
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Kompressionstherapie ist das konsequente Tragen von den Strümpfen. Auch für Männer gibt es medizinische Kompressionsstrümpfe, die sich optisch von herkömmlichen Herrenkniestrümpfen nicht unterscheiden.

 

Wenn das Venensystem in seiner Funktion beeinträchtigt ist, steigt der Druck in den Venen und wässrige Blutbestandteile treten in das Gewebe aus, Knöchel und Beine können anschwellen. Jetzt muss das beeinträchtigte Lymphsystem der Ödempatienten noch mehr leisten, um die eingelagerte Flüssigkeit abzutransportieren. Dann sorgen flachgestrickte Kompressionsstrümpfe für die bestmögliche Unterstützung, um das Ergebnis der Lymphdrainage zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, die Strümpfe regelmäßig zu tragen.

Stützstrümpfe sind keine medizinischen Kompressionsstrümpfe. Sie haben in der Regel keinen kontrolliert abnehmenden Druckverlauf und für den klinische Bereich haben keinerlei Bedeutung. Die Stützstrumpfgröße wird in der Regel durch die Schuhgröße bestimmt. Die sind nicht verordnungsfähig und eignen sich daher ausschließlich für venengesunde Menschen.
Kompressionstherapie im Sommer

An den Sommertagen wirkt sich die Wärme auf unseren Körper aus. Gerade bei Hitze haben nicht nur die Venenpatienten, sondern auch Menschen mit gesunden Venen, oft geschwollene Beine. Deshalb ist die Kompressionstherapie insbesondere im Sommer wichtig. Unter Kompression klingen die Schwellungen und die Beine fühlen sich leichter und gesunden an. Die moderne Kompressionsmaterialen sind antibakteriell und atmungsaktiv. z.B. beim Schwitzen wird die  Feuchtigkeit über den Strumpf schnell nach außen abtransportiert.

Im Sommer ist die Neigung zu Schwellungen und Wassereinlagerungen höher. Bei hohen Temperaturen setzt sich ein ausgeklügelter Mechanismus in Gang, um den Körper abzukühlen. Die oberflächlichen Venen weiten sich, damit das Blut durch die vergrößerte Oberfläche mehr Wärme abgeben kann und abkühlt.

Venenerkrankungen und Sport

Die Schwellungsneigung der Beine kann auch bei gesunden Venen bestehen. Durch mangelnde Bewegung und viel Stehen oder Sitzen lastet täglich viele Stunden ein hoher Druck auf dem Venensystem. Wenn die Wadenmuskelpumpe den Abtransport des Blutes nicht mehr ausreichend unterstützt, sich die Venen ausdehnen und die Venenklappen nicht mehr richtig schließen, sind müde und schwere Beine die Folge. Schwellungen und Einschneidungen durch Socken oder Schuhe im Gewebe sind Anzeichen dafür. Später können sich dadurch die Krampfadern bilden.

Beim Joggen oder Spazieren unterstützen die Muskeln die Venen beim Bluttransport. Beim Schwimmen und Aqua-Fitness Wasserdruck wie ein Kompressionstrumpf. Fußgymnastik bringt die Venen in Schwung: Fußwippen und -kreisen, Zehen krallen, Waden an- und entspannen sind einfache, effektive Übungen. Die Beine hochlegen, kalte und warme Wechselduschen vom Fuß bis zum Oberschenkel entlasten und aktivieren die Venen.