Die Lymphgefäße transportieren eiweißreiche Flüssigkeit aus den Gewebsarealen ab. Über die als Filterstation arbeitenden Lymphknoten wird diese Gewebsflüssigkeit in das Venensystem weitergeleitet. Bei Störungen im Lymphgefäßsystem entsteht ein Rückstau der Gewebsflüssigkeit. Daraus entwickelt sich eine chronische Erkrankung mit bleibenden typischen Verdickungen und Verhärtungen des Gewebes durch Eiweißfibrosen. Das Lymphödem ist eine meist fortschreitende Erkrankung. Man unterscheidet zwei Arten von Lymphödemen, das primäre und das sekundäre Lymphödem.

Primäres Lymphödem

Fehlende oder zu gering ausgeprägte Anlage von Lymphgefäßen. Bei primären Lymphödemen liegt eine Entwicklungsstörung des Lymphgefäßsystems in der Embryonalphase zugrunde. Das daraus resultierende Lymphödem wird schon der Pubertät oder später in der ersten Lebenshälfte erkennbar.

Sekundäres Lymphödem

tritt infolge einer Schädigung des Lymphtransportsystems bei anderen Erkrankungen (wie z.B. Thrombose, Wundrose, offnes Bein) oder nach Operationen, Verletzungen, Entzündungen (Lymphknotenentfernung, Meniskusoperationen, Venenentnahme für eine Bypass Operation) auf.

Lymphödeme können bei Tumorpatienten entstehen, wenn Lymphknoten entfernt werden und dadurch der Lymphabfluss der Extremität blockiert wird. Das Armlymphödem nach Lymphknotenentfernung aus der Achsel bei Brustkrebsoperation ist das häufigste Lymphödem in dieser Gruppe.

Durch die Bestrahlung können auch die Lymphabflussstörungen entstehen. Ein bestrahlungsinduziertes Lymphödem kann auch nach mehreren Jahren nach der Bestrahlung, aufgrund der Spätreaktionen wie Fibrosen- und Nekrosenbildungen oder Funktionsstörungen auftreten.

Posttraumatische Lymphödeme entstehen nach Gewebsquetschungen und Zerreißungen, offenen Frakturen, Verbrennungen, Verätzungen oder Schnittverletzungen. 

Lymphödeme können auch nach einer Entzündung entstehen.

Einteilung von Lymphödemen in Stadien und Schweregrad

  • Stadium I. Im Stadium I ist lediglich der eiweißreiche Flüssigkeitsgehalt des Zwischenzellraums erhöht. Das Gewebe ist noch weich, über Nacht bildet sich ein Teil der Schwellung zurück, und es lässt sich auf Druck mit dem Finger leicht eine Delle erzeugen. Es bestehen noch keine Eiweißfibrose oder Gewebsveränderungen der Haut 
  • Stadium II. Im Stadium II zeigen die Schwellung über Nacht kaum noch Schwankungen, und auf Fingerdruck lässt sich nur schwer eine Delle eindrücken. In Gelenksnähe kommt es zu Hautfalteneinziehungen, die Haut und das Gewebe unter der Haut verhärten sich. Es treten die subkutane Eiweißfibrosen (an den Zehen als Stemmer‘sches Zeichen bekannt) und leichte Hautveränderungen als Pachydermie, Hyperkeratose oder Papillomatose auf. 
  • Stadium III. Im Stadium III entsteht eine lokale Immunschwäche im Lymphstaugebiet. Häufige Infektionen fördern eine extreme Wucherung von bindegewebigen Fasern.. Die Bewegung ist zunehmend eingeschränkt. Viele alltäglichen Tätigkeiten sind erschwert. Klinisch sind die massive subkutane Eiweißfibrosen   und schwere Hautveränderungen sichtbar. 

Therapie bei Lymphödem

Eine frühzeitige und konsequente Therapie ist von hoher Bedeutung. Die Behandlung des Grundleidens steht dabei im Vordergrund. Die kontinuierliche Behandlung mit Diuretika (‚Wassertabletten‘) ist bei gutartigen Lymphödemen kontraindiziert. Diuretika sind nur unzureichend wirksam und können für den Patienten schädlich sein, da sie die Eiweißkonzentration im Gewebe und damit die Ödembildung erhöhen.

Kompressionstherapie
Zentraler Bestandteil der Therapie eines Lymphödem ist die Kompressionsbehandlung. Kompressionsstrümpfe und -verbände an den Extremitäten helfen bei der Entstauung. Bei der Kompressionsbehandlung werden die geschwollenen Beine zunächst mit Kompressionsbinden gewickelt. Kompressionsbandagen sind bei einigen Erkrankungen kontraindiziert – zum Beispiel bei Herzinsuffizienz oder arterieller Verschlusskrankheit.

Manuelle Lymphdrainage
Die manuelle Lymphdrainage ist eine physikalische Therapieform zur Behandlung von Ödemen und Stauungen geschwollener Körperregionen. Durch sanfte Verschiebungen und Massagetechniken werden Lymphe in Abflussrichtung drainiert. Die manuelle Lymphdrainage wird von speziell ausgebildeten Masseuren oder Krankengymnasten durchgeführt. Es handelt sich um eine schonende Massage der Haut, die den Abtransport der Gewebsflüssigkeit fördert. Unterstützend werden lokal Lymphsalben verwendet. Die Griffe richten sich nach dem Verlauf der Lymphgefäße.

Zur Unterstützung zur manuellen Lymphdrainage wird die intermittierende Kompression (IPK oder AIK) empfohlen. Hierbei wird über Behandlungsmanschetten maschineller Druck auf die betroffenen Körperregionen ausgeübt und so eine schonende und effektive Entstauung ermöglicht.

Mögliche operative Verfahren sind die Transplantation von Lymphgefäßen oder die Schaffung einer lymphovenösen Anastomose, also einer Verbindung zwischen Lymphgefäßen und Vene.

Eine intensive Hautpflege ist bei Lymphödem sehr wichtig.
Da Erkrankungen der Lymphgefäße zu Störungen der Blutzirkulation in der Haut führen, ist die Haut gefährdet, auszutrocknen und damit rissig zu werden. Es kann zu Juckreiz, Infektionen und Entzündungen kommen. Zudem belastet die Kompressionstherapie die Haut durch einen erhöhten Abrieb der äußersten Hautschicht sowie durch ein Aufsaugen des schützenden natürlichen Hautfilms.